Michael-Sattler-Friedenspreis 2027
Der Michael-Sattler-Friedenspreis 2027 geht an die Klostergemeinschaft Deir Mar Musa al-Habaschi – In Anerkennung ihres unermüdlichen Einsatzes für Dialog und Versöhnung in Syrien
Bammental, 27. Oktober 2026
Der Michael-Sattler-Friedenspreis 2027 geht an die Klostergemeinschaft Deir Mar Musa al-Habaschi in Syrien. Die Auszeichnung wird am 21. Mai 2027 um 18 Uhr in Rottenburg am Neckar vergeben.
Mit dem Michael-Sattler-Friedenspreis würdigt das Preiskomitee den beharrlichen Einsatz der Gemeinschaft für Dialog und Versöhnung – auch und gerade unter den Bedingungen des syrischen Bürgerkriegs.
Deir Mar Musa steht seit Jahrzehnten für einen christlichen Glauben, der sich der Verbundenheit mit dem Islam und Dialog innerhalb der syrischen Gesellschaft verpflichtet hat. Gebet, Arbeit, Gastfreundschaft und Dialog prägen das Leben der Mönche und Nonnen, wodurch christliche und muslimische Tugenden zusammengebracht werden. Das Kloster ist zu einem Ort geworden, an dem christliche und muslimische Menschen einander begegnen und trotz religiöser, politischer und gesellschaftlicher Spannungen im Gespräch bleiben.
„Gerade dort, wo Krieg Menschen gewaltsam voneinander trennt, hat die Gemeinschaft von Deir Mar Musa den Dialog bestärkt“, erklärt das Preiskomitee. „Ihre Überzeugung, dass Versöhnung möglich ist und Frieden in der Begegnung beginnt, trägt den Geist Michael Sattlers in die Gegenwart und zeigt Alternativen zur Gewaltlogik auf.“
Dialog, wo andere nur noch Feindschaft sehen
Die Geschichte von Deir Mar Musa ist eng mit der Geschichte des modernen Syrien verbunden. Der Jesuit Paolo Dall’Oglio belebte das verlassene Kloster in den 1980er Jahren wieder. Seitdem wird dort das christliche Mönchtum in Verbundenheit mit dem Islam gelebt.
Bereits seit der Neubelebung war Deir Mar Musa ein Ort des interreligiösen und gesellschaftlichen Austauschs und auch während des Bürgerkriegs hielt die Gemeinschaft an ihrer Berufung zum Dialog fest. Sie rief immer wieder zu Gewaltlosigkeit und Versöhnung auf.
Das Kloster hat selbst die Folgen von Krieg und Gewalt erfahren. Pater Paolo Dall’Oglio wurde 2013 im Norden Syriens bei dem Versuch, die friedliche Freilassung von IS-Geiseln zu vermitteln, entführt und gilt seither als vermisst. Dennoch blieb die Gemeinschaft ihrer Berufung treu. Der syrisch-katholische Erzbischof Jacques Mourad, der sein Gelübde 1993 in Deir Mar Musa ablegte, bezeichnete das Kloster als Zeichen der Hoffnung und der spirituellen Erneuerung für Christen und Muslime.
Die Klostergemeinschaft beschreibt ihren Auftrag als Berufung zum christlich-islamischen Dialog. Gerade in Zeiten des Krieges, so heißt es aus Deir Mar Musa, könne diese Berufung widersinnig erscheinen – und sei doch der notwendige Weg zu einer Welt des Friedens.
Damit verkörpert Deir Mar Musa in besonderer Weise das Anliegen des Michael-Sattler-Friedenspreises: Frieden nicht nur zu fordern, sondern zu leben. Wo Angst, Gewalt und religiöse Polarisierung Menschen voneinander trennen, setzt die Gemeinschaft auf Begegnung statt Ausgrenzung, Versöhnung statt Vergeltung und Gastfreundschaft statt Misstrauen.
Die Preisvergabe findet am 21. Mai 2027 um 18 Uhr in Rottenburg am Neckar statt.
Die Preisvergabe ist der Auftakt zu einem ökumenischen Gedenkwochenende in Rottenburg am Neckar anlässlich des 500. Jahrestages der Hinrichtung von Michael und Margarethe Sattler, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg, dem Verband der Mennonitengemeinden, sowie der Stadt Rottenburg. Weitere Informationen zum Programm werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.
Der Michael-Sattler-Friedenspreis wurde 2006 zum 50-jährigen Bestehen des Deutschen Mennonitischen Friedenskomitees (DMFK) erstmals vergeben. Der Preis ist benannt nach dem Täufer Michael Sattler. Er wollte den damaligen Erzfeinden des „christlichen“ Abendlandes, den osmanischen Türken, nicht mit militärischer Gewalt, sondern mit Gebet und Feindesliebe begegnen. Am 20. Mai 1527 wurde er in Rottenburg am Neckar zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt und am nächsten Tag nach grausamer Folter verbrannt. Seine Frau Margarethe wurde einige Tage danach im Neckar ertränkt. 2027 ist die achte Preisvergabe, die zusätzlich mit dem 500. Jahrestag der Hinrichtung zusammenfällt.
Pressekontakt:
Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee (DMFK)
Benjamin Isaak-Krauß
benjamin.isaak-krauss@dmfk.de
Michael-Sattler-Friedenspreis
Der Michael-Sattler-Friedenspreis wird seit 2006 vom Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee (DMFK) verliehen. Etwa alle drei Jahre vergeben wir den Friedenspreis an Personen oder Gruppen, deren Arbeit vorbildlich ist im Einsatz für gewaltfreies Christuszeugnis, für Versöhnung zwischen verfeindeten Menschen oder Gruppen sowie für herausfordernden Dialog zwischen Religionen und Weltanschauungen.
Benannt ist der Preis nach dem frühen Täufer Michael Sattler, der 1527 in Rottenburg am Neckar wegen seines gewaltfreien Friedenszeugnisses auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde. Die Verleihung geschieht in der Regel in Rottenburg, dem Hinrichtungsort Sattlers. 2013 wurde der Preis erstmals im ehemaligen Benediktinerkloster St. Peter auf dem Schwarzwald, dem Wirkungsort Michael Sattlers vor seiner Hinwendung zur reformatorischen Täuferbewegung, vergeben.
Aktuelles
Ausschreibung für Friedenspreisträger 2027
Der Michael Sattler Friedenspreis soll 2027 erneut an eine Person oder Organisationen vergeben werden, die sich mutig und nachhaltig für Frieden und Gerechtigkeit einsetze/n.
Am 21. Mai 1527 ist der 500. Jahrestag der Hinrichtung Michael Sattlers. Sattler lehnte revolutionäre Gewalt ab, forderte Gewaltverzicht (auch gegenüber Türken, was damals unüblich war) und wurde wegen seines gewaltfreien Zeugnisses, basierend auf dem Schleitheimer Bekenntnis (1527), in Rottenburg als Ketzer hingerichtet.
Das ökumenisch besetzte Preiskomitee des Michael-Sattler-Friedenspreises evaluiert momentan die Vorschläge für die Vergabe des Preises 2027.
Friedenspreisträgerin Judy da Silva (2013) von Grassy Narrows (First Nation) in Canada ruft zur Solidarität auf.
Grassy Narrows unterstützt derzeit ein Gerichtsverfahren gegen die Canadische Regierung, um diese an ihre Verantwortung zu erinnnern, Umweltschäden zu sanieren und an eventuelle Umweltschäden zu denken, bevor Projekte genehmigen werden, die industrielle Verschmutzung verursachen könnten. Nicht nur in Grassy Narrows, sondern überall dort, wo First Nations betroffen sein könnten.
Wenn die Klage Erfolg hat, könnte sie einen Präzedenzfall für Regierungen schaffen. Um genügend Mittel aufzubringen, um erfolgreich zu sein, muss Grassy Narrows neue Netzwerke erreichen, die in der Lage sind, mehr zu spenden, als sie jemals zuvor aufgebracht haben. Das ist entmutigend, aber wir hoffen, dass dieser Rechtsstreit eine breitere Gruppe von Spendern ansprechen wird, denen auch Umweltschutz wichtig ist.